Der italienische Pandoro: Jetzt wird’s goldig

Gebäck gehört für uns selbstverständlich zu Weihnachten – auch in Italien. Heute stelle ich dir meinen absoluten Weihnachtsgebäck-Favoriten vor – den Pandoro.

Ann-Christin Dimon
Ein Artikel von Ann-Christin

Es gibt viele erste Male im Leben. An manche mag man sich gerne erinnern, an andere eher weniger. Heute erzähle ich euch von einem ersten Mal, an das ich mich gerne erinnere: mein erstes Mal „Pandoro essen“. Es war kurz vor Weihnachten und ich war grade drei Monate als Austauschschülerin in Italien. Meine Klassenkameraden hatten eine Weihnachtsfeier organsiert auf der es natürlich reichlich zu essen gab, typisch italienisch – darunter auch Pandoro. Und halleluja, meine Welt hat sich an diesem Abend verändert. Der fluffige Hefeteig, das kräftig-würzige Vanillearoma und keine nervigen kandierten Früchte – der Pandoro war ab diesem Zeitpunkt mein Weihnachts-MVP.

Vom Pan de oro zum Pandoro

Okay, aber jetzt Butter bei die Fische: was ist Pandoro überhaupt? Der Pandoro ist, zusammen mit dem Panettone, DER Weihnachtskuchen, der auf keinem italienischen Gabentisch fehlen darf. Ursprünglich kommt der Pandoro aus der Region Venetien in Norditalien. Daher kommt auch sein Name, der sich vom venezianischen „Pan de oro“ ableitet. Das bedeutet schlicht und ergreifend „Goldenes Brot“. In der extravaganten Version kam die Bezeichnung durch den Umstand, dass die fancy-schmancy Venezianer ihren Weihnachtskuchen gerne mit Blattgold verzierten und auch mit Blattgold aßen. Weniger extravagant, dafür aber um einiges plausibler klingt da doch, dass der Name sich von der gold-gelblichen Farbe des Hefeteiges ableitet, der mit viel Eigelb zubereitet wird. Eine weitere Besonderheit des Pandoros ist seine Form: er ist im wahrsten Sinne des Wortes der Star der Show. Denn der Pandoro wird in einer eigens dafür kreierten Form gebacken, die sternförmig ist.

Was haben Pandoro und Champagner gemeinsam?

Weißt du, was der Pandoro mit Champagner gemeinsam hat? Ich werd’s dir verraten: beide sind stolze Besitzer einer geschützten Ursprungsbezeichnung. Das heißt, dass der Pandoro nur in Venetien hergestellt werden darf, sonst ist es einfach kein Pandoro, sondern nur Hefegebäck und darf auch nicht als Pandoro bezeichnet werden. Ähnlich wie beim Champagner, der ja bekanntermaßen auch nur in der Champagne hergestellt werden darf – wissen wir alle.

Was ist der Unterschied zwischen Pandoro und Panettone?

Im Gegensatz zum Panettone wirst du im Pandoro nicht den Erzfeind aller Weihnachtskuchen-Liebhaber finden: kandierte Früchte. Er ist eigentlich komplett nackt, bis auf die dicke Schicht Puderzucker, die nicht nur den Kuchen verziert, sondern auch dich. Der Pandoro ist ein süßes Spektakel Sondergleichen. Man kann schon fast sagen, dass es eine Glaubensfrage ist, was an Weihnachten auf dem Tisch landet – der Mailänder Panettone oder der Pandoro aus Verona – letztendlich bleibt es aber jedem selbst überlassen, auf welches Abenteuer er sich im Weihnachtskuchenwunderland begibt. Mein Favorit ist und bleibt der Pandoro.

Wann und vor allem wie schmeckt jetzt der Pandoro?

Der Pandoro zeichnet sich, im Gegensatz zu seinem Vetter dem Panettone, durch ein intensives Vanille-Aroma aus. Aber auch seine Konsistenz ist einzigartig. Wer einen schweren Hefeteig vor Augen hat, der wird hier enttäuscht. Der Pandoro besticht vor allem durch seine fluffige und fast schon blätterteigähnliche Konsistenz, die ihn von normalem Hefegebäck unterscheidet.
Am besten schmeckt der Pandoro natürlich zur Weihnachtszeit und in den Wintermonaten. Du kannst ihn außerdem zu jeder erdenklichen Mahlzeit verzehren. Der Pandoro ist nicht nur ein tolles, italienisches Weihnachtsfrühstück, sondern auch super zu Kaffee & Kuchen, als Nachtisch oder auch als Mitbringsel auf einer Weihnachtsfeier. Wenn du jemanden besonders verwöhnen willst, eignet sich der Pandoro super als persönliches Weihnachtsgeschenk.

Supermarkt? Nicht mit uns! Diese Zutaten brauchst du zum Pandoro-Selbermachen

Normalerweise wird der Hefekuchen von den Italienern im Supermarkt oder beim Konditor des Vertrauens erworben, aber wir wären ja nicht OhMyItaly!, wenn wir dir nicht zeigen würden, wie du diesen klassischen Hefekuchen zu Hause zubereitest.​Die wichtigste Zutat zuerst: Zeit, denn Gut Ding will Weile haben. Für den Pandoro bereitest du insgesamt drei Teige vor – einen Vorteig und zwei Hefeteige.Diese müssen natürlich auch aufgehen. Und das kann bis zu drei Tagen dauern! Aber nicht verzagen: mit etwas Vorausplanen kommt der fluffige Hefekuchen rechtzeitig auf den Tisch.
Selbstverständlich benötigst du noch mehr Zutaten: Eier, Wasser, Butter und natürlich Mehl und Vanilleschoten.

Das richtige Mehl für Pandoro: Manitoba-Mehl

Wahrscheinlich ist dir im Supermarkt oder auch in unseren Rezepten aufgefallen, dass es viele verschiedene Mehltypen gibt. Aber was bedeutet die ominöse Type-Zahl genau? Die „Type“ gibt den Mineralstoffgehalt pro 100 g Mehl an. Für das Backen eignen sich Mehltypen mit einer niedrigen Zahl.
Für unseren Pandoro benötigst du jedoch ein Mehl, dass vor allem viel Gluten enthält und gleichzeitig gut aufgeht. Die Antwort auf dieses Problem lautet: Manitoba-Mehl.
Das Manitoba-Mehl wird aus einer Edelweizensorte aus Kanada hergestellt und sorgt durch seinen hohen Glutengehalt und seine gute Gehfähigkeit für die weiche und luftige Textur des Pandoros. Wenn du kein Manitoba-Mehl auftreiben kannst, kannst du auch ein Mehl mit der Type 550 verwenden. Das ähnelt dem Manitoba-Mehl am ehesten.


Das besondere Flavour des Pandoro: Vanille

Den typischen Pandoro-Geschmack erhält der Weihnachtskuchen durch die allseits beliebte Vanille. Deswegen solltest du hier auch auf die Qualität deiner Vanilleschoten achten und etwas mehr in das beliebte Gewürz investieren – es ist schließlich Weihnachten!
Übrigens, wusstest du, dass die Vanille zu einem der teuersten Gewürze der Welt zählt? Das liegt daran, dass die Vanilleorchidee sehr aufwendig zu pflegen ist. Das geschieht fast alles per Hand. So muss sie zum Beispiel per Hand bestäubt werden und dies ist nur in einem sehr kurzen Zeitfenster möglich.
Für den Pandoro brauchst du zwar nur das Mark, aber den Rest der Schote kannst du weiterverarbeiten. Du kannst sie zum Beispiel in ein Glas Zucker legen und deinen eigenen Vanillezucker machen. Wenn du es etwas besonderer magst, kannst du auch die Schote in einen Salztopf geben und mit dem Vanillesalz deine Fisch- und Fleischgerichte verfeinern.

Das Rezept für einen klassischen Pandoro

Auch wenn die lange Ruhezeit des Teiges zunächst vielleicht abschreckend wirken mag – die Mühe lohnt sich. Giuro! Also ran an die Backschüsseln und los geht’s:

Zutaten für eine 2 Liter-Form:

Für den Vorteig:

17 g Hefe, frisch
60 ml Wasser
45 g Manitoba-Mehl (Type 550)
1 Eigelb (Größe M)
10 g Zucker

Für den 2. Teig:

4 g Hefe, frisch
25 ml Wasser
200 g Manitoba-Mehl (Type 550)
1 Ei (Größe M)
25 g Zucker
30 g Butter, weich

Für den 3. Teig:

1 Vanilleschote
200 g Manitoba-Mehl (Type 550)
100 g Zucker
2 Eier (Größe M)
½ TL Salz
140 g Butter, weich
etwas Butter zum Einfetten

Utensilien: Schüsseln, Handrührgerät (Schneebesen + Knethaken), Messer, Brett, Pandoroform, Backofen

Zubereitung:

1. Hefe in das Wasser bröseln und glattrühren. Mehl in eine Schüssel geben und mit Hefewasser, Eigelb und Zucker zu einem glatten Teig rühren. Teig abgedeckt ca. 1 Stunde ruhen lassen.

2. Für den 2. Teig Hefe in Wasser glattrühren. Mehl in eine Schüssel geben und den Vorteig einrühren. Anschließend das Hefewasser, Ei, Zucker einkneten und nach und nach die Butterflocken einkneten. Teig abgedeckt ca. 8 Stunden kaltstellen. Teig anschließend noch einmal ca. 1 Stunde bei Zimmertemperatur weiter gehen lassen.

3. Vanilleschote der Länge nach halbieren und das Mark herauskratzen. Zum 2. Teig Mehl, Zucker, Eier, Salz, Butter und Vanillemark hinzufügen und alles zu einem elastischen Teig kneten.

4. Pandoro-Form mit etwas Butter einfetten. Teig auf einer bemehlten Fläche von außen nach innen einschlagen, bis eine Kugel mit einer glatten Oberfläche entsteht. Teigkugel in die Backform legen, abdecken und ca. 6 Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen, bis der Teig die Backform gefüllt hat.

Pandoro ist nicht gleich Pandoro – Die 1.001 Varianten des Hefekuchens

Normalerweise gebe ich mich mit dem einfachen Pandoro und einer Tasse Espresso zufrieden, denn ich bin Purist. Aber der Pandoro ist nicht nur eine natürliche Schönheit, sondern auch super wandelbar. Während meines Aufenthalts in Italien konnte ich in den vielen kleinen Konditoreien und in den Supermärkten sehen, dass der Pandoro auch mit verschiedenen Cremes gefüllt wird. Darunter Schokocreme, Crema Pasticcera – mein absoluter Favorit – und Crema al Pistacchio. Hier ist der Fantasie keine Grenze gesetzt, der Pandoro kann fast mit allen Cremes und Füllungen, die man sich vorstellen kann, gefüllt werden.
Wenn man seine extravaganten Ursprünge und seine Wandelbarkeit zusammenfasst, könnte man sagen, dass der Pandoro der Liberace unter den Hefekuchen ist.

Pandoro richtig aufbewahren

Dass Pandoro unglaublich vielseitig ist, haben wir bereits festgestellt. Genauso vielseitig wie seine Sevier- und Verzehrmöglichkeiten, sind auch seine Aufbewahrungsfähigkeiten. Denn der Pandoro hält sich erstmal eine Woche, vorausgesetzt natürlich niemand isst ihn. Sollte der Verzehr trotzdem einmal länger dauern (was ich definitiv niemals nachvollziehen werde, aber you do you), kannst du ihn auch bequem einfrieren und bei Bedarf auftauen und servieren. Wenn du ein bisschen freaky unterwegs bist, kannst du dir auch einen Jahresvorrat an Pandoro anlegen und sogar im Sommer etwas Weihnachtsfeeling versprühen – keine Sorge, ich kann das durchaus nachvollziehen. 😉

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